15.12.2021

ES IST WIEDER DA

Aufgewachsen unter Nazis,
von 1968 bis 2021 Vertrauen in Staat und Demokratie aufgebaut.
Von Bundespolitikern innerhalb weniger Tage unwiederbringlich zerstört.

Ich bin unter Nazis aufgewachsen und genau so, wie sich das jetzt liest war es auch.
Unsere Lehrer in den Schulen, unsere Pastöre und unsere Verwandten waren mehr oder weniger erfolgreich entnazifiziert worden. Mehr oder weniger ist schnell zu verstehen, denn wer nicht viel gemacht hatte, oder wem man nicht viel andichten konnte, kam glimpflich davon.

War man aber in der Situation, nicht behaupten zu können, man hätte Widerstand geleistet, war die Entnazifizierung schon vollständiger.
Nun gibt es aber immer weniger Zeitzeugen, die von sich sagen können, unter Nazis aufgewachsen zu ein, denn die Vorfahren der meisten Zeitgenossen haben bereits die Gnade der späten Geburt.
Deren Nazierfahrungen bezogen sich nur auf Lehrer und Pastöre, denn der Kontakt zu den Großeltern ist in der Regel nicht so unmittelbar wie der zu den eigenen Eltern.
Unter Nazis auf zu wachsen bedeutete das frühe Erfahren eines hilflosen ausgeliefert Seins. Es bedeutete, dass das Kind ständig bemüht war irgendwelchen Parametern zu entsprechen die nicht erklärt wurden, sondern irgendwie aus dem kollektiven Gedächtnis bezogen werden mussten.
Das tut man nicht, das macht man nicht, das gehört sich nicht... Zu dieser Erfahrung gehörte auch, dass man immer wieder hörte, bei Adolf wäre mit diesen oder jenen kurzer Prozess gemacht worden.
Ebenso gehörte es dazu sich anzuhören, dass man SELBST bei Adolf im KZ gelandet wäre.
„So was wie du, wäre bei Adolf vergast worden!“
Angesichts der Erzählungen meiner Mutter bezüglich der GESTAPO, die ihre Schwester abholte, weil sie einen Witz erzählt hatte, gab es nicht nur anschauliche Schilderungen dessen, was da Geschehen war, sondern auch das emphatische Nachempfinden dessen, was die nächsten Verwandten zu erdulden hatten.
Unsere Lehrer wurden einzig durch den katholischen Pfarrer in den Schatten gestellt, was das Ausleben ihrer Gewaltfantasien anging; sie konnten sich noch an wehr- und hilflosen Schülern vergreifen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.
Eine gesellschaftliche Stimmung, die nach Veränderung und Befreiung schrie.

Alleine schon das Hören von Musik und die Weigerung sich regelmäßiger Militärschnitte beim Friseur zu unterziehen, wurden als Widerstand gegen die gewohnte und bewährte Ordnung verstanden, die unser Land in eine wesentliche Rolle zweier Weltkriege befördert hatte.
Wir hörten die Hottentotten- und Negermusik dann eben heimlich und was die Haarlänge anging, gab es eine seltsame Einigkeit, die uns alle verband.
Ab 1967 regte sich der Widerstand einer Revolution gleich die einen großen Teil des Planeten befiel.
Demonstrationen an Universitäten, denn Diejenigen, die mit vergleichbaren Erfahrungen aufgewachsen waren, wie ich, waren Studenten, als ich noch Schüler war, gab es in den USA ebenso, wie in Europa.
Woodstock und HAIR befreiten unser Denken und vermittelten uns nach und nach das Gefühl es werde sich was ändern – es konnte nur noch besser werden.

In den Siebzigern und Achtzigern blieben die Erfahrungen aus der Kindheit im Hinterkopf, verdrängt in eine Ecke, lauernd, irgendwann wieder relevant zu werden.
Die Arbeit im Sozialen Bereich war sicher besonders dazu geeignet alles so zu bereiten, wie man es sich als Kind gewünscht hatte – eine angstfreie Atmosphäre für Patienten in Krankenhäusern und Menschen mit Behinderung in Heimen zu schaffen war mir ein besonderes Anliegen. Ich orientierte mich an Neils Summerhill-Projekt, kannte aber ebenfalls Bambule von Ulrike Meinhoff.
Noch Ende der Achtziger leitete ich Entschädigungsverfahren ein, für die Menschen in „meinem Heim“ die zur Zeit der Naziherrschaft zwangssterilisiert worden waren, denn man wollte nicht, dass „lebensunwertes Leben“ sich auch noch vermehrte.
Doch schon in den Achtzigern gab es Tendenzen, die Errungenschaften der Achtundsechziger zurück zu kurbeln.
Seehofer äußerte sich zum Umgang mit Menschen, die möglicherweise an AIDS erkrankt sein könnten und forderte deren Separierung, das Bundesgesundheitsamt, jenes Amt, das noch in meiner Ausbildung für alles zuständig war, wurde von ihm abgewickelt und die Gesundheitsstrukturreform läutete das Ende dessen ein, was ich unter Sozialstaat verstanden hatte.
Die Menschen, die die Zeit der Restriktion noch persönlich erlebt haben und keinen Ausweg hatten, als zu warten, bis sie erwachsen wurden, um so weit wie möglich weg zu ziehen...

Das Gefühl ist nun im Dezember 2021 wieder da und es hat eine Qualität, die deutlich über das Erlebte hinaus geht, denn die Machtnutzenden sitzen nun in einem vom Volk gewählten Bundestag.
Egal, was sie vorher beteuerten, es interessiert sie nicht mehr, denn sie haben so einen Rückhalt in der Bevölkerung, wie damals Herr Göbbels als er den „Totalen Krieg“ ausrief, zu einem Zeitpunk, als bereits bekannt sein musste, dass dieser Krieg verloren war.

„Wollt ihr die totale Impfung – wollt ihr sie noch totaler und schrecklicher, als wir es uns heute vorstellen können?“
Vor ziemlich genau 72 Jahren kam mein Vater aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück, in ein Land, das sich veränderte und zunehmend versuchte das Vergangene auf die eine oder andere Weise zu verarbeiten.
Schon am 01.09.1939 war er dabei gewesen und hatte dem Vaterland gedient, bis er 1944 in russische Kriegsgefangenschaft geriet.
Er war der selbe Mann, der für Führer, Volk und Vaterland Befehle befolgt hatte und der im Krieg nicht befördert werden konnte, weil ihm ein lupenreiner Ahnenpass fehlte.
Er war gleichfalls Täter und Opfer, denn wenn man nicht in irgendeiner Weise mitmachte, hatte man später kaum noch die Möglichkeit Nachkommen zu zeugen.
So wie er vorher alles für Führer, Volk und Vaterland getan hatte, tat er ab 1952 wieder alles für die Bundesrepublik.

„Der Dank des Vaterlands ist dir gewiss!“

Oft hatte ich diesen Satz von ihm gehört und der Satz blieb der einzige voller Ironie, den ich von ihm je gehört habe.
Er hatte genug Zeit als Soldat verbracht, um seinem Sohn solche Erlebnisse zu ersparen und unterstützte daher meine Verweigerung den Dienst mit der Waffe auf zu nehmen.

Wann hat eigentlich der Impfpass sang- und klanglos den Ahnenpass ersetzt?


Udo Müller-Christian





In Fukushima musste ein Radius von 80 Kilometern evakuiert werden und wird für Jahrhunderte unbewohnbar bleiben!

Doch wie sieht es bei uns in Deutschland aus?
Hier haben wir fiktive Evakuierungsradien von ja 80km um aktive deutsche Kernkraftwerke (Daten erstellt von Maximilian Schönherr)
Deutsch: Die Illustration zeigt fiktive 80km-Radien um die zurzeit in Deutschland aktiven Kernkraftwerke herum. Im Falle des massiven Austritts radioaktiver Strahlung bei Unfällen oder im nicht geregelten Betrieb wird ein solcher Radius zur Evakuierung der Bevölkerung durchaus in Erwägung gezogen. Große Teile Nordwest- und fast das gesamte Süddeutschland wären dann nicht mehr bewohnbar.


English: This illustrations shows a map of Germany with large white spots. These spots symbolize an 80km radius around each of Germany's current nuclear power plants. This radius in case of a radiation problem is purely fictious but has been called realistic by the International Atomic Energy Agency (IAEA) in case of severe problems with reactors like in Fukushima in March 2011. According to this map large areas of north and south Germany would be inhabitable in case of massive failures of all currently active nuclear power plants.

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